Besonderheiten bei der Bestrafung

Viel stärker als im Erwachsenenstrafrecht wird die Strafe nicht nur durch die Schwere der Tat, sondern durch die Persönlichkeit des Jugendlichen/Heranwachsenden beeinflusst.
Jugendstrafe wird nur bei Schwere der Schuld und schädlichen Neigungen verhängt, ansonsten werden Erziehungsmaßnahmen ausgesprochen. Das Jugendstrafrecht ist vom Erziehungsgedanken geprägt. Das Spannungsfeld Erziehungsmaßnahmen - Jugendstrafe ist das Betätigungsfeld für den Verteidiger, eine auf die Person des Täters abgestimmte erzieherische Ahndung zu erreichen.

Erziehungsmaßnahmen sind beispielsweise:

  • Weisungen: Gebote und Verbote, die die Lebensführung und Erziehung   des Jugendlichen fördern und sichern sollen, wie z.B. Arbeitsleistungen, Täter-Opfer-Ausgleich, soziale Trainingskurse (Antiaggressionskurs); Umgangsverbote mit gewissen Personen; Verkehrsunterrichte, Erste-Hilfe-Kurse etc.
  • Betreuungsweisung: Unterstellung unter einen in der Jugendsozialarbeit erfahrenen Sozialarbeiter, der bei Schulden, Arbeitssuche, Wohnungssuche, Ämtergängen, Geldverwaltung hilft
  • Verwarnungen
  • Auflagen: Schadenswiedergutmachung, Entschuldigung, Geldleistungen, Arbeitsleistungen
  • Arrest: v.a. Freizeitarrest (meist ein Wochenende) oder Dauerarrest (eine Woche bis 4 Wochen)

Auf Heranwachsende (18-21 Jahre) ist das Jugendrecht nur anzuwenden, sofern nicht der Gesamteindruck der Persönlichkeit ergibt, dass der Heranwachsende einem Erwachsenen gleichsteht.

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